Wie Sie Manipulationen von Chefs, Kollegen oder wohlmeinenden Freunden erkennen und aushebeln.

Was ist ein psychologisches Spiel?

Wie Sie Spieler erkennen!

Einige typische Spieletaktiken und wie Sie diese beenden.

Es wird gespielt. Wie verrückt. Jeden Tag und überall. Menschen benutzen taktische Mittel, um ihre Ziele zu erreichen, das ist – nun ja – nur allzu menschlich. Wir alle kennen Spieler: Das können KollegInnen sein, die lauthals über die viele Arbeit jammern, und immer, immer sind sie die Blöden, sie sind ja so überlastet. Anstatt offen um Hilfe zu bitten, wird einfach noch lauter gejammert und gehofft, Sie freundlicher Mensch erbarmen sich der armen, überlasteten Seele. Oder aber sie werden mit Schmeichelei manipuliert „du kannst das doch so gut, viel besser als ich“. Gespielt wird auch in jeder Familie und Partnerschaft. Beleidigt sein ist ein psychologisches Spiel. Es wird von Menschen gespielt, die nie gelernt haben, ihren Ärger offen zu zeigen. Besserwisserei ist ein anderes, nur allzu bekanntes Beispiel. Allzu gerne mischen sich Spieler auch ungebeten in ihr Leben ein, geben Ratschläge, um sich selbst überlegen und fähiger zu fühlen. Es gibt psychologische Spiele, die nicht nur nerven, sondern auch gefährlich sind.

RuuuhhhheOft laufen diese Spiele so offen ab, dass sie diese sofort erkennen. Manchmal aber werden sie subtil eingefädelt, so dass Sie die Manipulation nicht wahrnehmen. Und hinterher wundern sie sich, wieso Sie wütend oder deprimiert sind und wieso diese Gespräche stets nach dem gleichen Muster ablaufen, ohne dass sie etwas dagegen tun können. Ich möchte Ihnen hier eine Abwehrstrategie vorstellen. Diese hilft Ihnen, zu erkennen, dass Sie Opfer eines psychologischen Spiels sind und zeigt, was sie aktiv dagegen tun können.

Psychologische Spiele erfolgen aus dem sogenannten Drama-Dreieck.Das Drama-Dreieck folgt den Regeln der griechischen Tragödie. Es gibt drei, sich abwechselnde Rollen: Den Verfolger, den Retter und das Opfer.
Der Ablauf des Dramas ist immer gleich, nur Darsteller und Bühnen wechseln. Klar zu unterscheiden sind hier natürlich „echte“ Opfer, Retter und Verfolger, also Menschen, die unverschuldet in diese Rolle geraten und Menschen, die bewusst, also manipulativ oder aus einer inneren Not heraus agieren.

Der Retter

Klar zu unterscheiden ist zwischen einer Notsituation, in der man jemandem zu Hilfe eilt und dem Retter im Sinne eines Psycho-Spiels.  Der Retter muss eingreifen, auch wenn es die Situation nicht unbedingt erfordert. Er fühlt sich dabei besser, klüger und fähiger als das Opfer und rettet damit nicht den Anderen, sondern sein Selbstwertgefühl. Dieser „Pseudo-Retter“ drängt seine Hilfe auf, auch wenn sie abgelehnt wird.

Der Angreifer

Er ist eindeutiger zu identifizieren. Er bedient sich des Arsenals an Schuldzuweisungen, Vorwürfen, Unterstellungen und wirft gerne mit Absolutismen um sich. „ist ja mal wieder typisch, nie übernimmt mal hier jemand die Verantwortung“ und zwar nach John Wayne Manier: Erst schießen, dann fragen. Er argumentiert nicht sachlich, sondern setzt furchtbar gerne die Waffen der Ironie oder des Zynismus ein.

Das Opfer

Es macht sich klein und hilflos, blendet eigene Fähigkeiten aus. Es traut sich nicht offen zu sagen: Kannst du mir helfen? Lieber jammert es und hofft, der Andere kommt von selbst auf die Idee, seine Hilfe anzubieten. Oft geht es dem Opfer auch darum, keine Verantwortung übernehmen zu müssen oder Unangehmes Andere erledigen zu lassen. Ein typischer Opfer-Satz lautet: „Mach du das, ich kann einfach nicht Nein sagen!“

Wie Sie Spieler aushebeln

1. Schnappen Sie nicht nach dem Köder!

Ein Psychospiel beginnt immer damit, dass der Manipulator auf ihren wunden Punkt zielt, sie provoziert. Wenn Sie auf die Provokation nicht reagieren, kommt auch kein Spiel zustande, die versuchte Manipulation läuft ins Leere. Untersuchen Sie, wo ihre wunden Punkte liegen, worauf Sie empfindlich reagieren. Können Sie vielleicht nicht mit ansehen, wenn jemand jammert und sich hilflos zeigt, obwohl Sie eigentlich wissen, dass er sein Problem selbst lösen könnte? Oder reagieren Sie sofort gereizt, wenn der Andere Ihnen Verantwortungslosigkeit oder Inkompetenz vorwirft? Jeder Mensch hat solche wunden Punkte, es lohnt sich herauszufinden, wo diese liegen. Denn dann werden Sie nicht mehr automatisch auf jeden dieser Angriffe reagieren!

Eröffnet wird es mit folgenden Strategien:
Der Angreifer verzerrt die Wirklichkeit und nimmt Absolutismen aus seinem Köcher. Absolutismen sind z.B. Wörter wie NIE, IMMER oder auch DAS IST JA MAL WIEDER TYPISCH!
NIE hilfst du mir! IMMER muss ich alles machen!

Wenn Sie beim ersten Mal nicht nach dem Köder schnappen, doppelt der Andere gerne mit Provokationen nach, um Sie doch noch ins Spiel zu holen. Bleiben Sie ruhig! Das wird Ihnen umso leichter fallen, je besser Sie sich mit Psycho-Spielchen und deren Mechanismen auskennen.

2. Stellen Sie sich folgende Fragen, um Ihre wunden Punkte heraus zu finden:
  • Wo fühle ich mich sofort angegriffen?
  • Wann empfinde ich inneren Druck, handeln zu müssen?
  • Welche Sätze zwingen mich dazu, mich zu verteidigen?
  • Welche Sätze kann ich unmöglich unkommentiert stehen lassen?

Wenn Sie sich immer wieder in die gleichen Spiele verstricken und Sie auch Ihnen selbst unverständliche Reaktionen zeigen („Ich verstehe gar nicht, was mit mir los war. Normalerweise bin ich nicht so.“) dann haben diese etwas mit Ihrer eigenen Geschichte zu tun. Es lohnt sich, hier tiefer zu graben, Ihrer Entwicklungsgeschichte auf den Grund zu gehen.

3. Entwaffnung durch Offenheit oder Humor

Wenn Sie das Spiel klar ansprechen, die verdeckte Ebene aufdecken, nehmen Sie Ihrem Gegenüber den Spielegrund. Versuchen Sie dabei, ruhig und freundlich zu bleiben. Wenn Sie aggressiv oder vorwurfsvoll reagieren, leiern Sie nur ein neues Spiel an, anstatt es zu beenden.

  • Reagieren Sie nicht automatisch auf jammern und Opfergehabe. Prüfen Sie, ob der Spieler seine Probleme nicht selbst lösen kann.
  • Bleiben Sie souverän! Sticheleien, ironische oder zynische Bemerkungen sind Angreifertaktiken. Hier sagt jemand nicht offen, was ihn stört oder verletzt, sondern nutzt Guerilliataktik.
  • Verteidigen Sie sich nicht automatisch. Sprechen Sie das dahinterliegende Problem offen an, z.B. „Ich habe das Gefühl, du nimmst mir übel, dass ich…“
4. Finden Sie heraus, welche Rolle sie spielen!

Welche Position im Drama-Dreieck nehmen Sie routiniert ein? Schießen Sie automatisch zurück, wenn Sie sich angegriffen fühlen? Können Sie gar nicht anders als Ja sagen, Ihre Hilfe anzubieten, obwohl Sie NEIN denken? Trauen Sie sich selbst wenig zu?

Klassische Psycho-Spiele

TYPISCHES RETTERSPIEL – Versuch’s mal so!

Der Retter weiß eine bessere Lösung und gibt ungebetene Ratschläge. Im Vordergrund steht das Bedürfnis, sich die eigene Unersetzlichkeit zu bestätigen oder von Dritten bestätigen zu lassen.
Wird der Rat nicht angenommen wechselt der Spieler gerne in eine Verfolgerposition:
„Tja, wem nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu helfen!“
Reagiert der Andere nun z.B. mit einem Gegenangriff, wechselt der Retter nochmals die Rolle und positioniert sich als Opfer.
„Das hat man nun von seiner Anständigkeit, Hilfsbereitschaft!“ (Ich bin zu gut für diese Welt!)

TYPISCHES VERFOLGERSPIEL – Gerichtssaal

Beim Gerichtssaal-Spiel gilt es, existentiell furchtbar wichtige Fragen zu klären:
Wer ist Schuld?
Wer hat angefangen?
Wer hat Recht?
Gerichtssaal ist eines der bekanntesten Spiele in Beziehungen, gerne werden hier zur Beweisführung Anekdoten aus der Vergangenheit angeführt: Das ist ja so typisch für dich! Genau das gleiche Theater wie damals, da hast du auch Mist gebaut, du hast nicht total verrannt, nur weil du nicht zugeben konntest, dass du einen Fehler gemacht hast! Und wer konnte das wieder ausbügeln? Ich natürlich!
Man schiebt sich gegenseitig die Schuld zu, wenn etwas schief gegangen ist und es interessiert nicht mehr, wie man ein Problem lösen kann. Gerne werden dann unbeteiligte Dritte ins Spiel geholt, die den Richter spielen sollen.

TYPISCHES OPFERSPIELE – Ach Gott, Ich Ärmster

Hier strickt jemand seine Mitleidsmasche, er jammert ständig und dramatisiert. Wird auch gerne gepaart mit dem Holzbein-Spiel. „Ich würde ja furchtbar gerne Marathon laufen, aber mit dem Holzbein!“ Hier sucht jemand Ausflüchte, um sich Aufgaben zu stellen, er hat Angst davor, Verantwortung zu übernehmen.
Beispiel aus dem Büroalltag: Ein Mitarbeiter bekommt eine zusätzliche Aufgabe aufgebrummt, ein Kollege befindet sich im gleichen Raum. Er beklagt sich, um Hilfe angeboten zu bekommen, aktiv kann er nicht darum bitten. Da er also nicht offen fragen möchte: Kannst du mir bitte helfen? weicht er auf ein Klage-Spiel aus. Ist kein Retter in Sicht, bleibt die Hilfe aus, wird noch lauter geklagt und gedoppelt mit: IMMER bekomme ich zusätzliche Aufgaben! Erfolgt dann gemeinerweise immer noch keine Reaktion, dann wechselt der Spieler seine Rolle und greift an: Ist ja wohl auch zuviel verlangt, von DIR Hilfe zu erhoffen! Du bist ja sowas von unkollegial! (er versucht, ein negatives Bild des Anderen zu zeichnen und hofft, dieser würde beginnen, sich zu rechtfertigen).
Der Spieler beginnt sein Spiel aus der Opferrolle heraus und wechselt dann in die Angreiferrolle. Je nachdem, wie der oder die KollegIn gestrickt ist, wird er oder sie sich nun zähneknirschend erweichen lassen oder aber der schönste Streit ist nun im Gang und die Büroatmosphäre ist für Tage oder Wochen vergiftet. Aus einem harmlosen, kleinen Satz ist Drama entstanden.

Beobachten Sie doch einmal ihr Umfeld und achten Sie auf verräterische Absolutismen. Und sehen Sie sich einmal genau TV-Serien an, hier wird gespielt bis zum Umfallen!

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